ORTSGRUPPE PFINZTAL
Volksbegehren Artenschutz
Unter dem Titel "Rettet die Bienen" sammelt ein breites Bündnis von Naturschutz- und anderen Verbänden, Betrieben und Organisationen Unterschriften für ein Volksbegehren zum Erhalt unserer Artenvielfalt. Denn die Bienen stehen stellvertretend auch für Schmetterlinge, Käfer, Libellen, Schwebfliegen und alle anderen Insekten, deren Bestände in den vergangenen Jahren drastisch - im MIttel um ca. 75 % - eingebrochen sind.

Sicher nicht die einzige, aber eine der Haupt-ursachen dafür ist der intensive Einsatz von Pestiziden in Teilen der Landwirtschaft. Deshalb zielen die Hauptforderungen des Volksbegehrens auf eine Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2025 und auf eine Ausweitung des ökologischen, ohne synthetische Pestizide auskommenden Landbaus (durch entsprechende Förderprogramme) auf 50 % bis 2035. Mit weniger weitreichenden, halbherzigen Maßnahmen werden wir das Insektensterben nicht aufhalten können! Weitere Informationen finden Sie unter www.volksbegehren-artenschutz.de.

Das Formblatt für die Unterschrift können Sie hier herunterladen (bitte Forder- und Rückseite aus-drucken) und nach Unterschrift im Rathaus abgeben oder dorthin schicken; Sie können auch direkt im Rathaus Ihre Unterschrift leisten.
Rotpelzige Sandbiene Andrena fulva
Große Holzbiene Xylocopa violacea

Nachtfalter-Aktion in Söllingen

Unserer Einladung zur abendlichen Nachtfalter-Aktion am 30. August waren zwar nur wenige Interessenten gefolgt, umso größer aber war die "Ausbeute" an der Lichtfalle, mit deren Hilfe die Falter angelockt wurden.

Innerhalb von zwei Stunden stellten sich (neben einigen anderen nacht-aktiven Insekten) 37 verschiedene Nachtfalterarten ein:
14 Spannerarten, vom Ampfer- bis zum Weißbinden-Labkrautspanner;
8 Eulenfalter wie die Hausmutter, das Schwarze C oder die Braune Spätsommer-Bodeneule; 6 Zünsler, vom Purpurroten bis zum Buchsbaumzünsler, sowie 9 weitere Arten aus verschiedenen anderen Falter-Familien.
Darunter fanden sich mit dem Vierpunkt-Flechtenbärchen, der Rhombus-Bodeneule, der Ockerbraunen Herbsteule und der Zackeneule auch vier Arten, die wir erstmals auf Pfinztaler Gemarkung beobachten konnten.

Die vollständige Artenliste finden Sie hier.

Ampferspanner
Timandra comae
Prachtgrüner Bindenspanner
Colostygia pectinataria
Ockergelber Blattspanner
Camptogramma bilineata
Perlglanzspanner
Campaea margaritaria
Braunleibiger Springkrautspanner
Ecliptopera silaceata
Pfaffenhütchen-Harlekin
Ligdia adustata
Schwarzes C
Xestia c-nigrum
Hausmutter
Noctua pronuba
Zackeneule (leider stark lädiert)
Scoliopteryx libatrix
Rhabarberzünsler
Oncocera semirubella
Buchsbaumzünsler
Cydalima perspectalis
Purpurroter Zünsler
Pyrausta purpuralis
Eichen-Faulholzmotte
Carcina quercana
Vierpunkt-Flechtenbärchen
Lithosia quadra
Ahorn-Zahnspinner
Ptilodon cucullina

Tag der Artenvielfalt
an der Weidenkaule (Söllingen, Teufelsplattweg)

Bereits im zwölften Jahr in Folge hatte der BUND Pfinztal eingeladen, mitzumachen bei einer Aktion zum "Tag der Artenvielfalt". Wie immer war es das Ziel der Aktion, in einem ausgewählten Gebiet an dem Tag möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu entdecken und zu bestimmen. Zielgebiet war in diesem Jahr die "Weidenkaule" bei Pfinztal-Söllingen, eine Feuchtwiese mit kleinem Teich, der im Frühjahr als Laichgewässer für Kröten, Frösche, Molche und Feuersalamander dient.
Elf Erwachsene und neun Kinder folgten am 15. Juni der Einladung und kamen zum Botanisieren und zur "Kleintierjagd" an die Weidenkaule. Fleißig wurden Bestimmungsbücher gewälzt und insbesondere die Pflanzenarten direkt vor Ort bestimmt, darunter typische Feuchte-Anzeiger wie Sumpf-Schwertlilie, Mädesüß, Bach-Nelkenwurz und Baldrian.
Die Kinder gingen eifrig am Teich mit kleinen Keschern und Fanggläsern auf die Jagd und fingen jede Menge Kaulquappen, Rückenschwimmer (eine Wasserwanzenart) und mehrere Feuersalamanderlarven, die natürlich alle umgehend nach der Foto-Dokumentation wieder freigelassen wurden. Als besonderer Fang wurde auch eine ca.
7 cm lange Larve des Gelbrandkäfers erbeutet. An Land wurden derweil 50 Insektenarten, sieben verschiedene Spinnentiere und drei Schneckenarten erfasst, außerdem wurden ein Rotkehlchen, eine Rabenkrähe und ein Rotmilan gesichtet. Erwähnenswert unter den Insekten sind fünf verschiedene Libellenarten (Große Königslibelle, Vierfleck, Plattbauch, Frühe Adonislibelle und Hufeisen-Azurjungfer), und als besonderer Fund wurde im hohen Gras ein Mittlerer Weinschwärmer - ein großer, farbenprächtiger Nachtfalter - entdeckt.
Insgesamt wurden in der Zeit von 14.30 bis 17 Uhr 58 Pflanzen- und 69 Tierarten, also insgesamt 127 Arten erfasst und entweder direkt vor Ort oder später, unter Auswertung der aufgenommenen Fotos, soweit möglich genau bestimmt.
Am späten Abend, von 22 Uhr bis Mitternacht, gab es dann für "Nachtschwärmer" noch eine Nachtfalteraktion, bei der mittels Leuchtfalle 46 verschiedene Nachtfalterarten (und 6 andere Insekten) angelockt und erfasst wurden, darunter mit dem Kiefernschwärmer, der ca. 9 cm Spannweite erreicht, einer unserer größten heimischen Schmetterlinge.
Außerdem wurden mit Hilfe eines Ultraschall-Detektors 3 verschiedene Fledermausarten nachgewiesen. So erhöht sich die Gesamtzahl aller am "Tag der Artenvielfalt" an der Weidenkaule entdeckten Arten auf 182.
Die vollständige Artenliste finden Sie hier.

So erfreulich die Aktion damit insgesamt abgelaufen ist, gab es doch auch einen eher erschreckenden Befund: Nicht eine einzige Tagfalterart wurde an dem Tag an der Weidenkaule erfasst. Vor genau zehn Jahren wurden bei einer gleichen Aktion am selben Ort noch sieben verschiedene Tagschmetterlingsarten entdeckt. So ist der Insektenschwund auch bei uns deutlich festzustellen.

Vierfleck Libellula quadrimaculata
Kiefernschwärmer Sphinx pinastri
Mittlerer Weinschwärmer Deilephila elpenor
Artenvielfalt vor der Haustür
Unter diesem Titel stellte Marianne Rahn am 29.3.19 im vollbesetzten Bürgerhaus in Söllingen die Ergebnisse aus 11 Jahren "Tag der Artenvielfalt" in Pfinztal vor. Bei dieser einmal jährlich, jeweils auf einer anderen Biotopfläche, vom BUND Pfinztal durchgeführten Aktion wurden bisher insgesamt 576 Tierarten und 257 Pflanzenarten entdeckt und bestimmt. Eine vielfältige Auswahl daraus - von der Grünen Zwergzikade bis zum Hirschkäfer, von der Gemeinen Breitstirn-Blasenkopffliege bis zum Wasserskorpion, vom Springfrosch bis zur Schlingnatter - wurde im Bild vorgestellt und erläutert.
Leider ist auch in Pfinztal ein deutlicher Rückgang bei der Artenvielfalt zu verzeichnen; so haben sich in weniger als 10 Jahren sowohl die Sammelergebnisse an den Amphibienschutzzäunen als auch die Zahlen der bei abendlichen Nachtfalter-Aktionen an die Lichtfalle anfliegenden Falter nahezu halbiert. Hauptursachen dafür sind zum einen der Lebensraumverlust durch die wachsenden Siedlungs- und Verkehrsflächen - in Deutschland hat in den letzten 25 Jahren die Siedlungsfläche um mehr als 30 %, die Verkehrsfläche um 10 % zugenommen -, zum anderen die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und hohem Pestizideinsatz. Hier ist insbesondere die Europäische Agrarpolitik gefordert, die Rahmenbedingungen hin zur Förderung einer ökologisch verträglichen Landwirtschaft zu ändern. Aber auch jeder einzelne kann einen Beitrag gegen das Artensterben leisten, indem er in seinem Garten heimische Sträucher sowie Nektar und Pollen spendende Blumen anpflanzt, seinen Rasen durch seltenere Mahd zur Wiese sich entwickeln lässt und auf tote Schotterflächen verzichtet.

Grüne Zwergzikade Cicadella viridis
Gemeine Breitstirn-Blasenkopffliege
Sicus ferrugineus
Hirschkäfer (m / w) Lucanus cervus
Wasserskorpion Nepa cinerea
Springfrosch Rana dalmatina Schlingnatter Coronella austriaca

Sonnige Parkplätze an der Reetzstraße

Zu diesem Thema hat der BUND Pfinztal im August 2018 einen Offenen Brief an alle Gewerbebetriebe in der Reetzstraße in Pfinztal-Söllingen versendet. Anlass für diesen Brief sind die zum Teil großflächigen, voll von der Sonne beschienenen Parkplatzflächen an der Reetzstraße. Diese führen an heißen Sommertagen, wie sie zunehmend auftreten, nicht nur zu einer übermäßigen Erwärmung der abgestellten Fahrzeuge, sondern der gesamten näheren Umgebung, weil asphaltierte, gepflasterte oder geschotterte Flächen sich durch Sonneneinstrahlung deutlich stärker erwärmen als etwa Grünflächen.
Wir empfehlen, soweit möglich Schatten spendende, großkronige Bäume an oder auf die Parkplatzflächen zu pflanzen. Diese Maßnahme wirkt zwar erst mittel- bis langfristig, aber sehr zuverlässig.
Alternativ schlagen wir vor, die Flächen durch aufgeständerte Photovoltaikanlagen zu überdachen und so kostengünstigen Solarstrom zu erzeugen.

Das Problem betrifft natürlich nicht nur die Reetzstraße, sondern auch viele andere Parkplatzflächen, zum Beispiel bei etlichen Einkaufsmärkten in und um Pfinztal.

Leider besteht das Problem noch unverändert fort.